Anstatt zu versuchen die Mitarbeitenden mit Motivationsreden zu motivieren, ist es wichtiger damit aufzuhören, die Mitarbeitenden zu demotivieren. bannergrafik mit symbolischem Streichholz als zeichen für Mitarbeitermotivation.
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Warum aktives Motivieren von Mitarbeitenden der falsche Ansatz ist

Motivation gilt in vielen Unternehmen als Führungsaufgabe Nummer eins. Führungskräfte sollen inspirieren, mitreißen, begeistern. Es gibt Motivationsreden, Kick-off-Events, emotional aufgeladene All-Hands-Meetings und immer neue Programme, die „Energie ins Team bringen“ sollen.

„Du musst Dein Team mehr motivieren!“

Und doch stellt sich nach all dem oft eine ernüchternde Frage:
Warum hält diese Motivation nie lange an?

Das Problem mit Motivationsreden

Motivationsreden funktionieren ähnlich wie Zucker. Sie geben kurzfristig Energie, erzeugen ein Hochgefühl, manchmal sogar echte Euphorie. Für einen Moment fühlt sich alles möglich an. Das Team klatscht, nickt, ist emotional abgeholt.

Doch genau darin liegt das Problem. Motivation, die von außen kommt, verpufft. Sie ersetzt keine sinnvolle Arbeit, keine Klarheit, keine echten Gestaltungsspielräume. Nach der Rede folgt der Alltag. Und der fühlt sich dann oft leerer an als zuvor, weil der emotionale Kontrast so stark ist.

Was bleibt, ist nicht Motivation, sondern eine implizite Erwartung:
„Jetzt müsst ihr aber liefern.“

Extrinsische, hochemotionale Motivation erzeugt damit nicht selten Druck statt Antrieb. Und sie verschiebt Verantwortung. Plötzlich soll die Energie aus der Rede die strukturellen Probleme im Arbeitsalltag kompensieren.

Das kann auf Dauer nicht funktionieren.

Motivation ist kein Knopf, den man drücken kann

Ein zentraler Denkfehler in vielen Organisationen ist die Annahme, Motivation ließe sich aktiv erzeugen. Als wäre sie ein Zustand, den man Mitarbeitenden „geben“ kann, wenn man nur die richtigen Worte findet.

In Wahrheit ist Motivation etwas sehr Persönliches. Sie entsteht dort, wo Menschen Sinn erleben, Wirksamkeit spüren und sich ernst genommen fühlen. Und sie verschwindet dort, wo Frustration, Reibung und innere Kündigung Raum bekommen.

Führung kann Motivation nicht machen.
Aber Führung kann sehr effektiv Motivation zerstören.

Der unterschätzte Hebel: Demotivation beseitigen

Ein oft wirksamerer Weg zu mehr Motivation ist daher kein zusätzlicher Impuls, sondern ein Perspektivwechsel:
Was wirkt im Alltag eigentlich demotivierend?

In vielen Unternehmen gibt es erstaunlich viele solcher Faktoren – und sie sind selten spektakulär. Es sind die kleinen, permanenten Störgeräusche.

Konflikte, die nie geklärt werden, sondern unter der Oberfläche schwelen.
Kommunikation, die Informationen weitergibt, aber keinen Kontext.
Entscheidungen, die getroffen werden, ohne sie zu erklären.
Werte, die auf Plakaten stehen, im Alltag aber nicht gelebt werden.

Besonders demotivierend wirkt dabei alles, was Mitarbeitenden signalisiert:
„Du bist eigentlich nicht so wichtig.“

Das kann fehlende Wertschätzung sein, aber auch strukturelle Widersprüche. Wenn etwa Entwicklung versprochen wird, aber keine Zeit dafür vorgesehen ist. Wenn Eigenverantwortung gefordert wird, Entscheidungen aber ständig wieder einkassiert werden. Oder wenn über Vertrauen gesprochen wird, gleichzeitig jedoch immer neue Kontrollmechanismen eingeführt werden.

Fehlender Kontext ist ein massiver Motivationskiller

Ein Punkt, der häufig unterschätzt wird, ist fehlender Kontext. Menschen wollen verstehen, warum sie etwas tun. Nicht im Sinne einer Rechtfertigung, sondern im Sinne von Einordnung.

Wer nur Aufgaben verteilt, aber keine Zusammenhänge erklärt, reduziert Arbeit auf Abarbeitung. Das nimmt nicht nur Motivation, sondern auch Verantwortung und Mitdenken. Gerade engagierte Mitarbeitende empfinden das als entwürdigend.

Kontext schafft Sinn. Und Sinn ist ein weit stabilerer Motivator als jede Rede.

Motivation entsteht oft dort, wo Führung etwas bewusst nicht tut

Paradoxerweise entsteht Motivation häufig genau dann, wenn Führung sich zurücknimmt. Wenn nicht alles vorentschieden, vorgekaut und vorgegeben wird. Wenn Räume entstehen, in denen Mitarbeitende gestalten, entscheiden und auch Fehler machen dürfen.

Das erfordert Vertrauen und die Bereitschaft, Unsicherheit auszuhalten. Aber es wirkt nachhaltiger als jede externe Motivation. Menschen motivieren sich selbst, wenn man sie lässt.

Weniger motivieren, mehr ermöglichen

Vielleicht ist die eigentliche Führungsaufgabe also nicht, ständig neue Energie ins System zu pumpen. Sondern Hindernisse zu entfernen, Reibung zu reduzieren und ehrlich hinzuschauen, wo der Alltag Motivation systematisch untergräbt.

Motivation ist kein Feuerwerk.
Sie ist eher wie Glut.

Sie bleibt nur dann erhalten, wenn man aufhört, ständig Wasser darauf zu kippen.

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