Erfolg fühlt sich nur dann wie Erfolg an, wenn ihm eine echte Herausforderung vorausgeht. Dieses Prinzip ist so alt wie menschliche Entwicklung selbst und doch gerät es in modernen Arbeits- und Erziehungskontexten zunehmend in Vergessenheit. In einer Zeit, in der vieles schnell verfügbar ist, in der Fehler vermieden und Frustration möglichst früh abgefedert werden sollen, verlieren wir etwas Entscheidendes: die Erfahrung von Selbstwirksamkeit. Genau hier liegt ein oft unterschätzter Zusammenhang zwischen Motivation, Leistungsbereitschaft und echter Zufriedenheit im Berufsleben.
Erfolgserlebnisse entstehen nicht im Komfort
Ein Erfolgserlebnis ist mehr als ein positives Feedback oder ein erreichter Meilenstein.
Wie der Psychologe Albert Bandura es im Kontext der Selbstwirksamkeitsforschung formulierte:
„Menschen entwickeln ein stabiles Gefühl von Kompetenz, nicht durch Lob oder Schonung, sondern durch das erfolgreiche Bewältigen von Herausforderungen.“
Albert Bandura. Self Efficacy The Exercise of Control 1997
Es ist das innere Wissen eine Hürde überwunden zu haben. Dieses Gefühl entsteht nur, wenn zuvor Unsicherheit, Anstrengung oder sogar Scheitern möglich waren. Ohne Risiko kein Wachstum ohne Anstrengung keine Bedeutung
Psychologisch gesprochen basiert Motivation zu einem großen Teil auf erlebter Selbstwirksamkeit, also der Überzeugung, aus eigener Kraft etwas bewirken zu können. Diese Überzeugung entwickelt sich nicht durch Schutz, sondern durch Erfahrung. Wer wiederholt erlebt, dass Herausforderungen lösbar sind, entwickelt Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Wer ihnen systematisch ausweicht verliert genau dieses Vertrauen
Warum Herausforderungen heute oft vermieden werden
In vielen Bildungssystemen und Erziehungskonzepten der letzten Jahrzehnte stand ein gut gemeinter Gedanke im Vordergrund: Kinder und Jugendliche vor Überforderung zu schützen. Frustration sollte minimiert, Vergleiche vermieden, Scheitern möglichst weich abgefedert werden. Leistung wurde relativiert Feedback vorsichtig formuliert Erwartungen abgesenkt
Diese Haltung zeigt heute insbesondere bei Teilen der Gen-Z ihre Nebenwirkungen. Viele junge Menschen sind hoch reflektiert, sozial sensibel und werteorientiert. Gleichzeitig berichten Unternehmen Führungskräfte und HR-Abteilungen von sinkender intrinsischer Motivation geringer Frustrationstoleranz und schneller innerer Kündigung sobald Arbeit als anstrengend oder fordernd erlebt wird
Das ist kein individuelles Versagen sondern eine logische Folge fehlender Erfahrung mit produktiver Anstrengung
Motivation ist kein Startpunkt sondern ein Ergebnis
Der Management-Vordenker Peter Drucker brachte diesen Zusammenhang zwischen Anspruch und Entwicklung bereits früh auf den Punkt
„Das Beste was wir für die Entwicklung eines Menschen tun können, ist ihm eine Aufgabe zu geben die etwas größer ist als er selbst.“
Peter F Drucker. Management Challenges for the 21st Century 1999
Ein weit verbreiteter Irrtum ist die Annahme, Motivation müsse am Anfang stehen. In Wahrheit entsteht Motivation häufig erst unterwegs. Wer auf Motivation wartet, bevor er handelt, wird selten ins Tun kommen. Wer handelt und dabei Fortschritt erlebt entwickelt Motivation fast automatisch
Erfolgserlebnisse wirken wie ein innerer Verstärker. Sie zeigen mir, dass mein Einsatz Wirkung hat. Genau dieser Zusammenhang fehlt, wenn Herausforderungen entweder vermieden oder künstlich entschärft werden. Dann bleibt Leistung abstrakt und Arbeit fühlt sich schnell sinnlos oder leer an
Für junge Mitarbeitende bedeutet das konkret: Wenn Aufgaben zu kleinteilig, zu risikofrei oder zu stark betreut sind, entsteht kein echtes Erfolgserleben. Statt Motivation wächst Abhängigkeit oder Gleichgültigkeit
Die Rolle von Führung im Spannungsfeld von Fördern und Fordern
Moderne Führung steht heute vor einer anspruchsvollen Aufgabe. Einerseits sollen psychologische Sicherheit, Wertschätzung und Sinn vermittelt werden. Andererseits braucht es klare Erwartungen echte Verantwortung und bewusst zugelassene Herausforderungen
Positiv führen bedeutet nicht Schwierigkeiten zu vermeiden, sondern Menschen zuzutrauen daran zu wachsen. Gute Führung schafft Rahmen, in denen Scheitern erlaubt ist, aber nicht folgenlos bleibt. Sie gibt Orientierung ohne zu bevormunden und fordert ohne zu überfordern
Gerade im Umgang mit jungen Generationen ist diese Haltung entscheidend. Wer Mitarbeitende vor jeder Reibung schützt, nimmt ihnen die Chance auf echte Erfolgserlebnisse. Wer hingegen Vertrauen schenkt anspruchsvolle Aufgaben überträgt und Entwicklung einfordert ermöglicht genau das was langfristig motiviert.
Warum mangelnde Herausforderung zu Demotivation führt
Wenn Arbeit dauerhaft zu leicht ist, entsteht kein Stolz. Wenn Ziele beliebig wirken, kein Sinn. Wenn Feedback ausschließlich bestätigend ist, keine Entwicklung. In solchen Umfeldern wird Motivation nicht aufgebaut sondern langsam abgebaut
Viele Unternehmen erleben heute, dass Gen-Z-Mitarbeitende hohe Erwartungen an Sinn, Feedback und Work-Life-Balance haben, aber gleichzeitig Schwierigkeiten mit Durchhaltevermögen und Verantwortung zeigen. Diese Spannung lässt sich nicht durch mehr Benefits oder weichere Prozesse lösen sondern durch eine Rückkehr zu einem gesunden Leistungsverständnis
Leistung ist kein Gegensatz zu Menschlichkeit. Im Gegenteil Menschen erleben sich besonders dann als wirksam und zufrieden, wenn sie an etwas wachsen durften
Herausforderung als Schlüssel zu nachhaltigem Erfolg
Echte Erfolgserlebnisse sind immer das Resultat einer überwundenen Herausforderung. Sie lassen sich nicht simulieren und nicht verordnen. Sie entstehen dort wo Menschen gefordert werden Verantwortung tragen und ihre eigene Entwicklung spüren
Für Organisationen bedeutet das Mut zur Klarheit, Mut zur Erwartung und Mut zur Zumutung. Für Führungskräfte bedeutet es, Menschen nicht klein zu halten, sondern groß zu denken. Und für eine ganze Generation bedeutet es vielleicht die wichtigste Lernerfahrung überhaupt Erfolg fühlt sich nur dann gut an wenn er nicht selbstverständlich war
Wer Motivation stärken will, muss also nicht weniger fordern, sondern sinnvoller. Nicht schützen, sondern begleiten. Nicht alles erleichtern sondern Entwicklung ermöglichen!










