Freiheit fällt im Alltag kaum auf.
Wir bemerken sie nicht, wenn wir uns unterhalten, eine Nachricht verschicken, eine Meinung äußern oder einem anderen Menschen etwas Persönliches anvertrauen. Solange niemand zuhört, niemand mitliest und niemand darüber entscheidet, ob unsere Worte erlaubt, verdächtig oder unerwünscht sind, wirkt vertrauliche Kommunikation selbstverständlich.
Doch Freiheit ist nicht selbstverständlich.
Sie existiert nur so lange, wie Gesellschaft, Politik und Technik sie ermöglichen. Und gerade im digitalen Raum reicht es nicht, Freiheit lediglich gesetzlich zu versprechen. Sie muss auch technisch geschützt werden.
Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.
Benjamin Franklin
Aus dieser Überzeugung heraus entwickle ich Freizone: eine dezentrale, Ende-zu-Ende-verschlüsselte Chatlösung, die ohne zentralen Anbieter auskommt, selbst betrieben werden kann und vollständig offen entwickelt wird.

Nicht, weil ich glaube, dass jeder Staat grundsätzlich böse ist. Nicht, weil jede Behörde unter Generalverdacht gestellt werden sollte. Sondern weil kein technisches System davon abhängig sein sollte, dass alle Menschen, Institutionen und Regierungen, die heute oder in Zukunft Zugriff darauf erhalten könnten, dauerhaft verantwortungsvoll handeln.
Wenn Schutz zum Universalargument wird
Politische Eingriffe in private Kommunikation werden selten mit Kontrolle begründet. Sie werden mit Schutz begründet.
Mit dem Schutz vor Terrorismus. Mit dem Schutz vor organisierter Kriminalität. Mit dem Schutz von Kindern. Mit der Bekämpfung von Betrug, Extremismus oder Desinformation.
Viele dieser Ziele sind legitim. Manche gehören zu den wichtigsten Aufgaben eines funktionierenden Rechtsstaates. Wer Kinder vor sexuellem Missbrauch schützen, Terroranschläge verhindern oder organisierte Kriminalität verfolgen möchte, verfolgt damit zunächst kein verwerfliches Anliegen.
Die entscheidende Frage lautet jedoch nicht nur, welches Ziel verfolgt wird.
Die entscheidende Frage lautet auch, welche Mittel eine Gesellschaft dafür akzeptiert.
Ein legitimes Ziel macht nicht automatisch jedes Mittel legitim.
Denn ein moralisch kaum angreifbares Ziel kann dazu führen, dass über Maßnahmen nicht mehr sachlich diskutiert wird. Wer Einwände gegen eine flächendeckende Kontrolle privater Kommunikation erhebt, gerät schnell in die Defensive. Plötzlich muss nicht mehr derjenige begründen, warum Millionen unverdächtiger Menschen überwacht werden sollen. Stattdessen muss der Kritiker erklären, warum er angeblich nicht ausreichend zum Schutz möglicher Opfer beitragen möchte.
Das ist eine gefährliche Verschiebung.
83,4 Millionen Menschen sind keine Verdächtigen
Zum 31. März 2026 lebten rund 83,4 Millionen Menschen in Deutschland.
Die überwältigende Mehrheit dieser Menschen ist weder an organisierter Kriminalität beteiligt noch verbreitet sie Missbrauchsdarstellungen oder plant terroristische Anschläge. Trotzdem zielen verschiedene politische Konzepte darauf ab, technische Voraussetzungen zu schaffen, mit denen Kommunikation in sehr großem Umfang analysiert, gespeichert oder für staatliche Stellen zugänglich gemacht werden könnte.
Im Juli 2026 beschloss der Rat der Europäischen Union beispielsweise seine Position zur Wiedereinführung einer vorübergehenden Ausnahmeregelung vom Datenschutzrecht. Sie soll es Kommunikationsdiensten wieder ermöglichen, freiwillig nach Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs zu suchen, diese zu melden und zu entfernen. Gleichzeitig wird weiterhin über einen dauerhaften europäischen Rechtsrahmen verhandelt.
Diese konkrete Regelung ist nicht gleichbedeutend mit einer verpflichtenden Durchsuchung sämtlicher verschlüsselter Nachrichten. Genau deshalb muss man in dieser Debatte sauber bleiben. Nicht jede diskutierte Maßnahme ist bereits beschlossen. Nicht jeder Vorschlag betrifft Ende-zu-Ende-verschlüsselte Kommunikation in gleicher Weise. Und nicht jede Form der Inhaltsanalyse ist automatisch staatliche Totalüberwachung.
Trotzdem ist die grundsätzliche Entwicklung unübersehbar: Private digitale Kommunikation wird zunehmend als Raum betrachtet, zu dem staatliche Stellen einen technisch abgesicherten Zugang benötigen.
Die Europäische Kommission hat 2025 eine eigene Roadmap für den „rechtmäßigen und wirksamen Zugang zu Daten“ durch Strafverfolgungsbehörden vorgestellt. Darin wird ausdrücklich als Problem beschrieben, dass Daten wegen Verschlüsselung nicht gelesen werden können. Gleichzeitig erkennt die Kommission selbst an, dass starke Verschlüsselung Bürger und Unternehmen vor dem Missbrauch von Informationstechnik schützt.
Genau in diesem Widerspruch liegt der Kern des Problems.
Wir wollen starke Verschlüsselung, aber gleichzeitig einen Zugang für berechtigte Stellen. Wir wollen sichere Kommunikation, aber eine Möglichkeit, sie in bestimmten Situationen doch lesen zu können. Wir wollen eine Tür, die für Kriminelle verschlossen, für staatliche Behörden jedoch geöffnet ist.
Technisch ist eine solche Unterscheidung sehr viel schwieriger, als sie politisch klingt.
Eine Hintertür kennt keine guten Absichten
Eine technische Zugriffsmöglichkeit besitzt keine Moral.
Sie kann nicht erkennen, ob sie von einem demokratischen Rechtsstaat, einem ausländischen Nachrichtendienst, einem kriminellen Angreifer oder einem korrupten Mitarbeiter verwendet wird. Sie kennt keine richterlichen Beschlüsse und keine guten Absichten. Sie ist lediglich eine Funktion innerhalb eines Systems.
Existiert ein zentraler Schlüssel, kann er gestohlen werden.
Existiert eine Schnittstelle für Überwachungsmaßnahmen, kann sie angegriffen werden.
Existiert eine Datenbank mit sensiblen Kommunikationsdaten, kann sie kopiert werden.
Existiert eine Möglichkeit zur automatisierten Analyse privater Inhalte, kann ihr Zweck verändert oder erweitert werden.
Sicherheitsforscher weisen seit Jahren darauf hin, dass besondere staatliche Zugangsmöglichkeiten die Komplexität technischer Systeme erhöhen, neue besonders attraktive Angriffsziele schaffen und etablierte Sicherheitsprinzipien wie Forward Secrecy schwächen können. Wer einen Mechanismus einbaut, der berechtigten Stellen Zugriff ermöglicht, schafft damit zwangsläufig auch einen Mechanismus, den Unberechtigte anzugreifen versuchen werden.
Das ist keine theoretische Gefahr. Die als Salt Typhoon bekannt gewordene, China zugeschriebene Angriffskampagne kompromittierte Telekommunikationsnetze in zahlreichen Ländern. Berichten zufolge gehörten auch Infrastrukturen zu den Zielen, die für rechtlich angeordnete Überwachungsmaßnahmen genutzt wurden. Ausgerechnet Systeme, die staatlichen Stellen einen geregelten Zugriff ermöglichen sollten, wurden damit selbst zu einem hochinteressanten Angriffsziel für einen fremden Staat.
Man kann Sicherheitslücken schließen. Man kann Zugriffe protokollieren, Mitarbeiter überprüfen, Systeme segmentieren und Daten verschlüsseln. Man kann Prozesse, Kontrollen und Aufsichtsbehörden schaffen.
Was man nicht kann, ist eine dauerhafte Garantie abgeben.
Kein Betreiber kann seriös versprechen, dass ein umfangreiches Überwachungssystem in zehn, zwanzig oder fünfzig Jahren niemals kompromittiert wird. Kein Staat kann garantieren, dass Daten nie falsch zugeordnet, zweckentfremdet oder durch eine Sicherheitslücke veröffentlicht werden. Und niemand kann heute wissen, welche technischen Möglichkeiten zukünftige Angreifer besitzen werden.
Wir wissen nicht, wer morgen zugreifen darf
Neben dem technischen Risiko existiert ein politisches Risiko.
Wenn staatliche Stellen heute neue Befugnisse erhalten, diskutieren wir häufig über die Menschen, Parteien und Institutionen, die diese Befugnisse gegenwärtig kontrollieren. Wir beurteilen eine Überwachungsmaßnahme danach, ob wir der aktuellen Regierung, den heutigen Gerichten und den derzeitigen Behörden vertrauen.
Doch technische Infrastruktur überlebt politische Amtszeiten.
Datenbanken verschwinden nicht automatisch nach einer Wahl. Schnittstellen werden nicht abgebaut, weil sich parlamentarische Mehrheiten verändern. Einmal geschaffene Befugnisse werden selten vollständig zurückgenommen. Häufig werden sie verlängert, auf weitere Straftaten ausgeweitet oder in neue Systeme integriert.
Deshalb darf die entscheidende Frage nicht lauten:
„Vertraue ich der heutigen Regierung mit diesen Daten?“
Sie muss lauten:
„Würde ich jeder denkbaren zukünftigen Regierung mit diesen Daten vertrauen?“
Eine freiheitliche Gesellschaft darf ihre Infrastruktur nicht ausschließlich für den bestmöglichen politischen Zustand entwerfen. Sie muss auch dann funktionieren, wenn Institutionen schwächer, Mehrheiten radikaler oder Regierungen weniger rechtsstaatlich werden.
Daten besitzen kein Verfallsdatum für politischen Missbrauch.
Das bedeutet nicht, ständig den Untergang der Demokratie vorherzusagen. Es bedeutet lediglich, aus der Geschichte zu lernen: Sensible Daten entwickeln ihren gefährlichsten Wert häufig erst dann, wenn sich der politische Kontext verändert.
Informationen über Kontakte, Aufenthaltsorte, politische Diskussionen, private Beziehungen, Gesundheitsfragen oder persönliche Krisen können in einer liberalen Demokratie weitgehend belanglos sein. Unter anderen politischen Bedingungen können dieselben Informationen plötzlich zur Grundlage von Ausgrenzung, Erpressung oder Verfolgung werden.
Privatsphäre bedeutet nicht, etwas verbergen zu müssen
Ein besonders hartnäckiger Satz in dieser Debatte lautet:
„Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten.“
Dieser Satz verwechselt Privatsphäre mit Schuld.
Menschen schließen die Tür ihres Badezimmers nicht ab, weil sie darin Straftaten begehen. Sie versenden persönliche Nachrichten nicht vertraulich, weil sie kriminelle Pläne schmieden. Ein Gespräch mit einem Partner, einem Freund, einem Arzt oder einem Rechtsanwalt ist nicht deshalb privat, weil sein Inhalt illegal wäre.
Es ist privat, weil Menschen unterschiedliche soziale Räume benötigen.
Wir sprechen mit unserem Partner anders als mit unserem Arbeitgeber. Mit einem engen Freund anders als mit einer Behörde. Mit einem Arzt anders als in einem öffentlichen Forum. Diese Trennung ist keine verdächtige Heimlichkeit. Sie ist eine Voraussetzung für persönliche Freiheit.
Privatsphäre ermöglicht es Menschen, Gedanken zu entwickeln, bevor sie öffentlich werden. Sie erlaubt Irrtum, Zweifel, Verletzlichkeit und Veränderung. Sie schafft den Raum, in dem Vertrauen entstehen kann.
Wer private Kommunikation grundsätzlich als potenzielle Datenquelle für Sicherheitsbehörden betrachtet, verändert deshalb mehr als nur technische Abläufe. Er verändert das Verhältnis zwischen Bürger und Staat.
Der Bürger ist dann nicht mehr grundsätzlich unbeobachtet, solange kein konkreter Verdacht besteht. Er ist grundsätzlich technisch überprüfbar, wobei lediglich versprochen wird, dass diese Möglichkeit verantwortungsvoll eingesetzt wird.
Für mich ist das ein fundamentaler Unterschied.
Das eigentliche Problem ist die zentrale Architektur
Viele Risiken digitaler Kommunikation entstehen nicht erst durch staatliche Gesetze. Sie entstehen durch die Architektur der Dienste, die wir täglich verwenden.
Unsere Nachrichten laufen über wenige große Plattformen. Identitäten, Kontaktlisten, Geräteinformationen, Zeitpunkte und weitere Metadaten werden zentral verarbeitet. Selbst wenn Inhalte Ende-zu-Ende-verschlüsselt sind, bleibt häufig eine erhebliche Menge an Informationen über die Kommunikation sichtbar.
Diese Zentralisierung ist bequem.
Ein Anbieter betreibt die Infrastruktur. Ein Unternehmen entwickelt die Apps. Ein Konto funktioniert auf allen Geräten. Missbrauch kann zentral bekämpft, Software zentral aktualisiert und ein einheitliches Nutzererlebnis geschaffen werden.
Doch Bequemlichkeit erzeugt Abhängigkeit.
Ein zentraler Betreiber kann Regeln ändern. Er kann Konten sperren, Regionen ausschließen, Funktionen beschränken oder politischen Forderungen nachgeben. Er kann verkauft, übernommen, gehackt oder durch neue Gesetze zu Maßnahmen verpflichtet werden, die beim Aufbau des Dienstes noch nicht absehbar waren.
Vor allem entsteht ein einzelner Punkt, an dem sehr viel Macht und sehr viel Wissen zusammenlaufen.
Genau hier setzt Freizone an.
Freizone ist kein neuer zentraler Messenger
Freizone soll nicht die nächste Plattform werden, bei der lediglich ein anderer Betreiber die Kontrolle übernimmt.
Das Projekt ist als föderiertes Netz unabhängiger Server aufgebaut. Das Prinzip ähnelt in Teilen der E-Mail: Einzelne Personen, Organisationen oder Gemeinschaften können eigene Server unter eigenen Domains betreiben. Nutzer unterschiedlicher Server können trotzdem miteinander kommunizieren.
Dabei werden Nachrichten an Nutzer anderer Freizone-Server direkt vom Client an den Server des Empfängers geschickt. Sie werden nicht zunächst durch den eigenen Server oder durch eine zentrale Freizone-Infrastruktur geleitet. Es gibt keinen einzelnen Anbieter, über den sämtliche Kommunikation laufen muss.
Freizone ist damit kein klassisches Peer-to-Peer-System, bei dem jedes Smartphone dauerhaft selbst als Server fungiert. Es folgt jedoch demselben grundlegenden Gedanken: Verantwortung und Infrastruktur werden verteilt, statt sie bei einem zentralen Betreiber zu konzentrieren.
Jeder Betreiber entscheidet selbst, wer seinen Server nutzen darf. Ein Server kann offen sein, nur Einladungen akzeptieren oder vollständig geschlossen betrieben werden. Unternehmen können eine Instanz für ihre Mitarbeiter bereitstellen. Vereine, Familien oder Freundeskreise können eigene Server betreiben. Technisch interessierte Nutzer können ihre Kommunikation auf der eigenen Infrastruktur kontrollieren.
Trotzdem bleiben diese Inseln miteinander verbunden.
Dezentralisierung bedeutet nicht Isolation.
Verschlüsselung darf nicht vom Vertrauen in den Server abhängen
Ein eigener Server allein schafft noch keine vertrauliche Kommunikation.
Auch ein selbst betriebener Server kann kompromittiert werden. Ein Administrator kann Fehler machen. Ein Angreifer kann Zugriff erhalten. Ein Betreiber kann seine Meinung ändern oder unter rechtlichen Druck geraten.
Deshalb darf die Sicherheit von Freizone nicht davon abhängen, dass jeder Serverbetreiber dauerhaft vertrauenswürdig ist.
Nachrichten werden bereits auf dem Endgerät verschlüsselt, bevor sie einen Server erreichen. Für die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verwendet Freizone X3DH und Double Ratchet. Der Server sieht nur verschlüsselte Inhalte. Die Schlüssel, Gesprächsverläufe und Ratchet-Zustände verbleiben auf dem Endgerät. Der Server speichert keine dauerhafte lesbare Nachrichtenhistorie, sondern hält nicht zugestellte verschlüsselte Nachrichten nur vorübergehend bereit.
Auch die Identitäten sollen nicht einfach durch die Behauptung eines Servers vertrauenswürdig werden. Eine Freizone-Identität wird aus dem eigenen kryptografischen Schlüssel abgeleitet. Der Client überprüft die Zertifikats- und Identitätskette eines Kommunikationspartners selbst. Ein kompromittierter Server kann Nachrichten verwerfen oder den Dienst stören. Er soll jedoch nicht unbemerkt einen fremden Schlüssel unterschieben und sich damit als ein anderer Nutzer ausgeben können.
Das ist ein wichtiges Sicherheitsprinzip:
Ein Server darf ausfallen können, ohne dass dadurch automatisch die Identität seiner Nutzer fällt.
So wenig Daten wie möglich
Vollständige Metadatenfreiheit ist in einem internetbasierten Kommunikationssystem kaum realistisch.
Ein Server muss zumindest zeitweise wissen, für welches Konto eine verschlüsselte Nachricht bestimmt ist. Netzwerkverbindungen besitzen IP-Adressen und Zeitpunkte. Auch ein dezentrales System kann nicht so tun, als gäbe es diese technischen Rahmenbedingungen nicht.
Der richtige Anspruch lautet deshalb nicht, magisch jede Spur verschwinden zu lassen.
Der richtige Anspruch lautet, möglichst wenig Daten zu erzeugen, sie möglichst kurz zu speichern und möglichst wenig Wissen an einer Stelle zusammenzuführen.
Freizone speichert den eigentlichen Gesprächsverlauf lokal auf den Geräten. Der Server hält standardmäßig nur noch nicht zugestellte verschlüsselte Nachrichten für einen begrenzten Zeitraum bereit; in der aktuellen Konfiguration sind dafür 14 Tage vorgesehen. Eine dauerhafte serverseitige Chat-Historie ist bewusst nicht Teil des Konzepts.
Auch Push-Benachrichtigungen sollen keine Nachrichteninhalte transportieren. Sie dienen lediglich als Signal an die App, neue Daten vom zuständigen Server abzurufen. Auf Android kann dafür UnifiedPush verwendet werden, wodurch keine Abhängigkeit von Google erforderlich ist. Für Geräte ohne passenden Distributor existiert ein Fallback über ein zentrales Push-Gateway, dessen Payload jedoch weder Nachrichteninhalt noch entsprechende Metadaten enthalten soll, sondern nur die Aufforderung zur Synchronisation.
Das ist keine perfekte Unsichtbarkeit.
Es ist Datensparsamkeit als Architekturprinzip.
Open Source ist kein Marketingbegriff
Ein Projekt, das Sicherheit und Vertraulichkeit verspricht, verlangt Vertrauen.
Bei geschlossener Software kann dieses Vertrauen fast ausschließlich auf den Aussagen des Herstellers beruhen. Nutzer müssen glauben, dass die Verschlüsselung korrekt implementiert ist. Sie müssen glauben, dass keine versteckten Zugänge existieren. Sie müssen glauben, dass Server tatsächlich nur die Daten speichern, die in der Datenschutzerklärung genannt werden.
Für ein Projekt wie Freizone reicht mir dieses Modell nicht.
Freizone ist deshalb Open Source. Der Quellcode von App und Server wird öffentlich entwickelt und steht unter einer Open-Source-Lizenz. Das Protokoll ist dokumentiert, und die Implementierung kann untersucht, kritisiert, verändert und verbessert werden. Andere Entwickler können nachvollziehen, wie Identitäten entstehen, wie Nachrichten verschlüsselt werden, welche Daten ein Server verarbeitet und wie die Kommunikation zwischen unabhängigen Instanzen funktioniert.
Offener Quellcode macht Software nicht automatisch sicher. Ein öffentlich sichtbarer Fehler bleibt ein Fehler. Kryptografie wird nicht allein dadurch korrekt, dass jeder sie lesen kann. Ein Projekt benötigt weiterhin Tests, Reviews, klare Verantwortlichkeiten und im Idealfall unabhängige Sicherheitsaudits.
Aber offene Entwicklung verändert die Grundlage des Vertrauens.
Die Frage lautet dann nicht mehr ausschließlich:
„Glaubst du dem Betreiber?“
Sie lautet:
„Ist das technische Versprechen überprüfbar?“
Bei Freizone soll Sicherheit nicht auf geheimen Implementierungen, einer zentralen Autorität oder dem guten Willen eines einzelnen Unternehmens beruhen. Jeder kann überprüfen, wie das System funktioniert. Jeder kann einen eigenen Server betreiben. Und weil auch die verwendete Software offen ist, bleibt die Kontrolle nicht beim ursprünglichen Entwickler.
Dezentralisierung ist absichtlich unbequem
Ein zentraler Dienst ist einfacher.
Man installiert eine App, registriert eine Telefonnummer und überlässt den Rest einem großen Anbieter. Ein dezentrales System muss dagegen erklären, was ein Server ist, wem er gehört und warum ein Nutzer möglicherweise selbst eine Instanz betreiben möchte.
Diese zusätzliche Komplexität ist ein Nachteil.
Sie ist gleichzeitig ein Teil des Schutzes.
Zentrale Systeme wirken bequem, weil Verantwortung unsichtbar wird. Der Nutzer muss sich nicht mit Infrastruktur beschäftigen, besitzt dafür aber auch kaum Kontrolle über sie. Dezentrale Systeme machen Verantwortung sichtbarer. Sie erlauben eigene Entscheidungen, verlangen jedoch gelegentlich auch, dass diese Entscheidungen getroffen werden.
Freizone soll diese Hürde möglichst klein halten. Ein Server lässt sich mit Docker betreiben, TLS-Zertifikate können automatisch über Let’s Encrypt bezogen werden und für den Einstieg werden keine besonderen DNS-Einträge benötigt. Trotzdem wird ein selbst betriebener Dienst nie vollkommen so unsichtbar sein wie eine Plattform, bei der ein Konzern sämtliche Entscheidungen übernimmt.
Freiheit ist häufig weniger bequem als Abhängigkeit.
Das macht sie nicht weniger wertvoll.
Sicherheit entsteht nicht durch vollständiges Wissen
Staaten benötigen Möglichkeiten zur Strafverfolgung. Ermittlungsbehörden müssen Verdächtige überwachen können, wenn dafür eine hinreichende rechtliche Grundlage und eine unabhängige Kontrolle existieren. Ein Rechtsstaat darf nicht technisch handlungsunfähig werden.
Aber zwischen gezielter Überwachung eines konkreten Verdächtigen und der vorsorglichen technischen Überprüfbarkeit der Kommunikation einer gesamten Bevölkerung liegt ein fundamentaler Unterschied.
Gezielte Ermittlungen beginnen mit einem Anlass.
Flächendeckende Systeme beginnen mit einer Infrastruktur.
Sobald diese Infrastruktur existiert, wird über ihre Verwendung nicht mehr nur technisch, sondern politisch entschieden. Straftatenkataloge können erweitert, Schwellenwerte gesenkt, Speicherfristen verlängert und Zuständigkeiten verändert werden. Was zunächst für wenige extreme Fälle geschaffen wurde, kann schrittweise in den normalen staatlichen Werkzeugkasten übergehen.
Deshalb ist es zu wenig, sich auf gute Absichten zu verlassen.
Wir benötigen technische Systeme, die Macht begrenzen.
Datensparsame Systeme begrenzen Macht, weil weniger Daten vorhanden sind.
Dezentrale Systeme begrenzen Macht, weil nicht alle Informationen bei einer Stelle zusammenlaufen.
Ende-zu-Ende-Verschlüsselung begrenzt Macht, weil Betreiber nicht automatisch mitlesen können.
Offener Quellcode begrenzt Macht, weil technische Versprechen überprüfbar werden.
Selbst betriebene Infrastruktur begrenzt Macht, weil Nutzer den Anbieter wechseln oder selbst zum Betreiber werden können.
Das ist die Idee hinter Freizone.
Freiheit braucht Infrastruktur
Freiheit ist mehr als ein Grundgesetzartikel.
Sie ist mehr als ein politisches Versprechen und mehr als eine wohlmeinende Datenschutzerklärung. Im digitalen Raum wird Freiheit durch Architektur geprägt.
Ein System, das sämtliche Kommunikation zentral verarbeitet, schafft zentrale Macht. Ein System, das möglichst viele Daten sammelt, schafft zukünftige Missbrauchsmöglichkeiten. Ein System mit einem besonderen Zugang für Behörden schafft einen Zugang, der auch für Angreifer interessant ist.
Ein dezentrales System löst nicht jedes Problem.
Auch Freizone wird technische Fehler haben. Server können ausfallen. Geräte können kompromittiert werden. Nutzer können ihre Schlüssel verlieren. Offene Netze müssen Wege finden, mit Spam, Belästigung und Missbrauch umzugehen. Dezentralisierung nimmt uns diese Aufgaben nicht ab.
Sie verändert jedoch, wer die Antworten darauf kontrolliert.
Ich möchte keine Kommunikationsplattform entwickeln, die Menschen lediglich auffordert, mir als Initiator persönlich zu vertrauen. Ich möchte ein System entwickeln, das möglichst wenig Vertrauen in einen einzelnen Betreiber voraussetzt.
Ein System, bei dem Kommunikation vertraulich bleibt, auch wenn ein Server kompromittiert wird.
Ein System, das niemand vollständig abschalten kann, indem er ein einzelnes Unternehmen unter Druck setzt.
Ein System, dessen Regeln und Funktionsweise öffentlich überprüfbar sind.
Ein System, das nicht verspricht, durch vollständige Kontrolle Sicherheit zu schaffen, sondern Sicherheit dadurch anstrebt, dass Wissen und Macht bewusst begrenzt werden.
Freizone ist noch ein junges Projekt. Der aktuelle Android-Client unterstützt bereits mehrere Konten, verschlüsselte Einzelchats, Einladungen per QR-Code, Push-Benachrichtigungen, Serververwaltung und die Kommunikation zwischen unabhängigen Servern. Gruppen und Broadcast-Funktionen gehören noch zu den geplanten Erweiterungen.
Aber die technische Richtung steht.
Keine zentrale Kommunikationshoheit.
Keine lesbaren Nachrichten auf dem Server.
Keine Identität, die allein auf der Behauptung eines Betreibers beruht.
Keine Sicherheit durch eine Hintertür.
Und kein Vertrauen, das nicht zumindest technisch überprüft werden kann.
Denn Freiheit ist kein Feature, das man später ergänzt.
Sie muss von Anfang an Teil der Architektur sein.
Ich freue mich über jeden, der mich dabei begleiten und unterstützen möchte:
https://github.com/behringer24/freizone-app
Die App, entwickelt mit flutter um für Android und iOS auf einer Codebasis aufzusetzen. Die Android App ist derzeit kurz vor dem Release im Google Play Store.
https://github.com/behringer24/freizone-server
Der Core des Systems ist der Server. Er dient als Message Queue und Store für die Public Keys der Nutzer, die auf diesem Server registriert sind. Eine detaillierte Beschreibung des Protokolls findet ihr hier: https://github.com/behringer24/freizone-server/blob/master/docs/PROTOCOL.md
https://github.com/behringer24/freizone-gateway
Ein kleiner Gateway Server, der die Push-Notifications für neue Nachrichten verarbeitet und für das gesamte Netzwerk bereitstellt. Er ist ein zusätzliche Möglichkeit zu UnifiedPush (default).

